Interpellation «Alarmierende Arbeitsbedingungen in der 24h-Pflege»
Votum von Christian Caviezel an der Grossratssitzung vom 01.07.2026
Sehr geehrter Ratspräsident, geschätzter Regierungsrat, Kolleginnen, Kollegen
Ich bedanke mich bei den Interpellanten für die Aufnahme dieses Themas und dem Regierungsrat für die Beantwortung.
Die vorliegende Interpellation greift ein sensibles Thema auf: die Pflege und Betreuung unserer älteren Mitmenschen in ihrem gewohnten Umfeld. Doch die Lösungsvorschläge, welche die Interpellanten hier sehen, weisen in die falsche Richtung.
Die 24-Stunden-, bzw. die Live-In-Betreuung, ist oft der letzte Versuch, zu Hause bleiben zu können. Für die EDU/Aufrecht-Fraktion ist klar: Die Familie ist die wichtigste Zelle unserer Gesellschaft. Anstatt diese durch immer neue staatliche Hürden zu schwächen, müssten wir sie fördern. Die Interpellanten rufen nach dem Staat, wo eigentlich die Eigenverantwortung und der familiäre Zusammenhalt gestärkt werden sollte.
Für uns ist die Pflege keine rein staatliche Verwaltungsaufgabe. Sie ist gelebte Nächstenliebe. Der Vorstoss will die Familie entlasten, setzt jedoch falsch an. Anstatt die Familie durch bürokratische Hürden zu entmündigen, müssen wir sie als gottgegebene Grundeinheit unserer Gesellschaft stärken. Wer die Familie schwächt, indem er alles dem Staat überträgt, zerstört das soziale Gefüge unseres Kantons.
Die Forderungen nach noch mehr Regulierung, noch mehr Kontrollen und neuen Gesetzen lehnen wir entschieden ab. Wir haben im Thurgau bereits einen Normalarbeitsvertrag und Mindestlöhne, wie es der Regierungsrat beschreibt. Jede weitere staatliche Einmischung bläht die Bürokratie auf und führt unweigerlich zu höheren Kosten. In einer Zeit, in der die Krankenkassenprämien unsere Bürgerinnen und Bürger bereits massiv belasten, ist es unverantwortlich, neue Kostentreiber zu schaffen. Wer nach «mehr Staat» ruft, muss auch sagen, wer das am Ende bezahlt: der Steuerzahler und der Prämienzahler, die Familien. Als Resultat gäbe es nur noch mehr Hürden für Nachwuchs bei Familien. Die Geburtenrate würde weiter leiden.
Die Interpellation thematisiert den Schutz vor sexueller Belästigung und Gewalt. Das ist ein berechtigtes Anliegen, aber nur Symptombekämpfung anstatt Ursachenbekämpfung. Wenn wir Frauen wirklich schützen wollen, müssen wir bei den gesellschaftlichen Werten ansetzen. Da setzen wir auf unsere christlichen Wurzeln im Land, die uns halten.
Ein praktischer Ansatz für Schutz vor sexueller Belästigung und Gewalt auch in der 24h- Pflege wäre hier eine konsequente Abschaffung der Sexindustrie, angefangen bei Bekämpfung von Pornografie, die das Frauenbild herabwürdigt und das Gedankengut von gesundem Sexualverhalten pervertiert. Ein weiterer Ansatz ist eine Bestrafung von Sexkauf, anstatt dies als Prostitution zu legitimieren. Wer den Schutz von Pflegekräften fordert, darf zum moralischen Zerfall unserer Gesellschaft nicht schweigen! Das sogenannte «nordische Modell» wäre hier ein Schlüssel wodurch die Täter belangt werden, nicht die Opfer.
Zuletzt zur Forderung nach Informationen in zahlreichen Fremdsprachen: Wir befinden uns hier in der Schweiz. Unsere Landessprachen sind die Grundlage für Integration und Verständigung – sie genügen. In Zeiten der Digitalisierung und Entwicklung von Übersetzungstools ist es schlichtweg nicht vermittelbar, hierfür zusätzliche Steuergelder für staatliche Übersetzungsdienste auszugeben.
Fazit: Wir brauchen im Thurgau nicht mehr Gesetze, sondern mehr Herz für die Familie und ein klares Bekenntnis zu den christlichen Werten, die unser Land gesund halten. Die EDU/Aufrecht-Fraktion schätzt die schützende Haltung der Interpellanten, lehnt jedoch die mitschwingende Forderung nach Staatsausbau ab.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

