Interpellation «Integrative Sonderschule oder separative Integration?»
Votum von Christian Caviezel an der Grossratssitzung vom 18.02.2026.
Sehr geehrter Ratspräsident, geschätzter Regierungsrat, Kolleginnen, Kollegen
Ich bedanke mich bei der Interpellantin für die Aufnahme dieses Themas und dem Regierungsrat für die Antwort mit den Zahlen.
Wir stellen in der Auflistung fest:
?
- Es gibt eine markante Zunahme Fälle.
- Die Zunahme verläuft nicht in allen Schulgemeinden gleich.
- Die Kosten haben sich innert 9 Jahren verdreifacht! Während die Anzahl Platzierungen lediglich um 50 % angestiegen sind. Sollte dies nicht linear verlaufen?
Klar ist, die Integration kostet und zu einem gewissen Mass darf es dies auch, denn wir wollen uns messen an dem Schwachen in unserem Land. Ob es sich bei den sogenannt Integrativen jedoch um die Schwächeren handelt, stelle ich sehr in Frage. Oft sind genau jene Schüler die künftigen Führungskräfte oder Verantwortungsträger im Land.
Im Schulalltag ist es so, dass Lehrpersonen heute ihren Beruf ausüben mit viel Bürokratie, enorm viel Einfluss von aussen, Erwartungen von Eltern und mit Reglementen zugedeckt werden. Früher konnte sich ein Lehrer noch durchsetzen und die Eltern standen hinter ihm. Heute wird schnell mit Klage und Anwalt gedroht. Der Lehrberuf soll auch künftig mit viel Herzblut und Leidenschaft für die Kinder ausgeübt werden können. Die Rahmenbedingungen für den Beruf müssen attraktiv bleiben oder wieder werden. Wenn es künftig nicht mehr möglich ist, eine Klasse von einer Person führen zu lassen, wird es nicht nur teuer, sondern auch unattraktiv für viele Lehrer. Hier sollte der Lehrerausbildung zu dieser Thematik einen höheren Stellenwert zugeordnet werden.
Die Schule hat sich verändert, sich stetig weiterentwickelt und fokussiert auf die heutige Zeit. Leistung und Umfang haben zugenommen während immer mehr Ideen und Komplexität den Alltag bestimmen. Wie ist es bei den Menschen? Sind Kinder nicht immer noch Kinder – heute wie früher? Die gelieferten Zahlen sind ein Spiegel der Bevölkerung. Ein Resultat unsrer Leistungsgesellschaft.
Es ist wichtig, dass die Schulbehörden in ihrem regionalen Umfeld arbeiten können ohne eine Regulationsflut bewältigen zu müssen. In Bezug auf die Zahlenauswertung stellt sich die Frage, haben ländliche Regionen weniger Vorfälle? Klären ländliche Schulen dies einfach weniger ab oder sind die Lehrpersonen stärker mit den Eltern in Einklang, wodurch gemeinsam schulintern Lösungen gefunden werden?
Auf jeden Fall soll der Fokus vielmehr der Stärkung der Familie zugewannt werden. Eltern müssen mehr zur Verantwortung gezogen werden und sollen die Erziehung nicht an die Schule delegieren. Wenn für Familien die finanziellen Herausforderungen nur mit Fremdbetreuung zu stemmen sind, kostet es alle viel mehr.
Zum Schluss komme ich zu einem unserer grössten Probleme in unserem Land und Kanton, wo wir ansetzen müssen in all unseren politischen Handeln. Ende der 1980er Jahre brachten Thurgauer Frauen im Durchschnitt noch 2 Kinder auf die Welt. Heute sind es schweizweit lediglich noch 1,3 Kinder pro Frau. Wenn nun das Schweizer Volk sich seit 30 Jahren nicht mehr fortpflanzt, bzw. nicht mehr erhaltet, wir aber trotzdem Wachstum wollen, werden unsere Werte unsere Kultur sich verändern und dies schneller als wir denken. Dies ist auch so in den Schulen mit der hier behandelten Thematik festzustellen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

