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Thurgauer Schulzeugnisse 2017/2018 - aussagekräftig und vergleichbar?

Votum von Kantonsrat Daniel Frischknecht an der Grossratssitzung vom 23.01.2019

Wie Sie alle wissen, sprach sich die EDU-Fraktion ja einstimmig gegen die Einführung des Lehrplanes 21 aus, da es ein Vorlauf der Technokratisierung der Volksschule darstellt, und vor allem aus unserer Sicht dadurch die solide Bildung auf der Strecke bleibt. Auch als wir hörten, wie die Zeugnisse aussehen sollten, haben wir nur die Köpfe geschüttelt. Wie sollten beispielsweise Lehrmeister aus diesem Konglomerat von Sammelnoten die für ihre Ausbildung wichtigen Bestandteile herauslesen? Oder wenigstens die Eltern erkennen können, wo die Stärken respektive Schwächen bei ihrer Filia, respektive ihrem Filius liegen. Auch weiterführende Schulen müssen sich in Kaffeesatz-Lesen üben…
Und, obwohl gerade diese, für uns wichtigsten Player, sich gegen Gesamtnoten ausgesprochen haben, hat sich der RR (siehe Beantwortung Frage 1) für eine „Entweder- oder-Lösung“, also Einzel- oder Gesamtnoten, entschieden. Dies führt zwangsläufig zu Uneinheitlichkeit. Dieser Entscheid ist für uns auch deshalb nicht nachvollziehbar, weil die Harmonisierung ja immer als gewichtiges Argument angeführt wurde. Und harmonisiert sollte ja nicht nur der Lehrplan werden, sondern auch die Benotung, sonst steht man wieder auf Feld 1.
 
Bei der Beantwortung der Frage 2 schildert der RR nun den weiteren Verlauf der geplanten Odyssee. Bisher dachte ich immer, dass eine Odyssee eine ungeplante Irrfahrt mit vielen unliebsamen Verkettungen ist. Heute weiss ich, man kann sie auch planen! So will der RR nun diesen Entweder-oder-Entscheid nun erst mal als „Schulversuch“ ausprobieren und dann auf die Ergebnisse warten. Dazu hat die EDU folgende Meinung: Erstens sollte man endlich aufhören Lehrkräfte als Versuchskaninchen zu missbrauchen und zweitens ist der Versuch etwa so sinnvoll wie wenn wir Lehrer beauftragen, sie sollen mal versuchen einen Stein auf die Wasseroberfläche zu legen und dann das Ergebnis melden, ob er darauf geblieben ist.
Weiter schreibt der RR: die Abbildung von Kompetenzen ist in „Deutsch“ und „Mathematik“ angedacht. Da fragen wir uns: Angedacht, was soll das? Jetzt hat man so mit dem Zauberwort der „Kompetenzen“ Fische gefangen und jetzt überlegt man sich, ob man vielleicht für zwei Fächer Kompetenz-profile abbilden wolle.
Die Frage sei erlaubt: Was an Kompetenzprofilen denn schlecht sein könnte? Und wieso man vor der Einführung wieder zuerst fünf Schulen mit insgesamt 120 Lehrpersonen zu erneuten Versuchen nötigt.
Für uns stellt sich in diesem Zusammenhang manchmal schon die Frage: Wenn wir in der Privatwirtschaft so handeln würden, was das für einen Einfluss auf die Zufriedenheit der Angestellten oder auch auf die Konkursrate hätte.

Zuletzt noch etwas zu Punkt 3 und der Einheitlichkeit der Zeugnisse. Des RRs Konklusion lautet: „Eine einheitliche Lösung kann sowohl mit einem Entscheid für Einzel- oder Gesamtnoten erwirkt werden.“ Da müssen wir ihm einmal Recht geben. Man kann es wirklich entweder einheitlich gut oder einheitlich schlecht machen…!

Ja für die Beantwortung müssen wir dem RR einmal eine ungenügende Note geben – und zwar als Einzelnote…