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Öffentliche Apotheke im Kantonsspital Frauenfeld

Votum von Kantonsrat Daniel Frischknecht an der Grossratssitzung vom 09.01.2019

Die EDU-Fraktion bedankt sich für die Beantwortung der Interpellation durch den RR. Wir sind aber auch dankbar, dass gerade durch diesen Vorstoss Gespräche und einiges an Klärung durch das Projekt Horizont Apotheke AG entstanden sind. Dadurch konnte eine Grundsatzdiskussion um die Medikamentenversorgung im Kanton Thurgau entstehen und auch einiges zur Klärung beitragen. Sie zeigt aber auch ein Problem auf, nämlich dass Patienten nach einem Spitalaufenthalt mit ihrem Rezept in der Regel zu ihrem Hausarzt gehen, anstatt zur öffentlichen Apotheke, was eigentlich unserem System entsprechen würde. Dass der Regierungsrat nur das Verhältnis aufzeigt, nämlich dass 70% die Selbstdispensation und nur 30% die Apotheke wählen, zeigt auf, dass der RR auch davon ausgeht, dass dies so richtig ist, was nicht der Tatsache entspricht. Zudem werden so ungewollt die Apotheken durch die Ärzte konkurrenziert und die Ärzte zu Verkaufsstellen. Durch das Projekt Horizontapotheke AG wird diesem Missstand wenigstens teilweise, d.h. wenigstens für spitalaustretende Patienten, korrigiert. Was sicher auch einen Gewinn, respektive Vorteil, für die Patienten darstellt. Trotzdem scheint die 26%-Beteiligung des Ärztenetzwerks Thurgau eher von einem finanziellen als von einem klinischen Interesse zu zeugen.
Für uns bleibt auch die Rolle des Kantons am Projekt Horizontapotheke AG nicht ganz transparent. Der RR sagt, der Kanton führe keine öffentliche Apotheke und betreibt auch keine, aber er besitzt bald eine, bzw. ist Mehrheitsaktionär. Und eigentlich sind es mit der Campus Apotheke Münsterlingen zwei. Da stellt sich uns die Frage: geht es unserem Kanton bereits so gut, dass wir schon nicht mehr wissen, was uns alles gehört? Oder geht es hier eher um eine Schutzbehauptung, da die gesetzlichen Grundlagen fehlen? Und was für eine Strategie fährt der RR mit der Campus Apotheke Münsterlingen? Will er zuerst schauen, ob das Projekt Horizontapotheke gut funktioniert, um danach die Campus Apotheke Münsterlingen nach dem gleichen Modell zu führen?
Diese Fragen hätten wir von der EDU-Fraktion noch gerne vom RR beantwortet. Ansonsten freuen wir uns am Prozess, der angestossen, aber noch nicht vollendet wurde.