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Integrationskosten

Votum von Kantonsrätin Marlise Bornhauser an der Grossratssitzung vom 24.10.2018

Die Grundschule ist für alle Kinder Pflicht und soll unentgeltlich sein. Alle Kinder sollen die gleichen Chancen haben, den Unterricht zu besuchen. Das Recht auf Bildung ist ein Kinderrecht und wurde unter anderen von der Schweiz in den UN-Kinderrechtskonventionen angenommen.

Dahinter stehen wir voll und ganz.

Wie steht es aber mit der Chancengleichheit, wenn ein Kind eingeschult wird, und der Standartsprache nicht mächtig ist? Wie bringt man Eltern dazu, ihr Kind früh zu fördern? Wie können wir ihr Interesse an einer frühen Sprachbildung wecken?

•    Oft sind sie selber überfordert deutsch zu sprechen, viel einfacher ist es in ihrer Muttersprache zu kommunizieren – und dies vor allem innerhalb der Familie
•    In manchen Kulturkreisen wird die Schulbildung nicht so hoch gewichtet, die Motivation, eine andere Sprache zu lernen, ist nicht vorhanden
•    Wer kein Interesse hat, die Kinder zu fördern, hat auch kein Interesse an all den vielen guten Angeboten der Frühförderung – diese Angebote sind ja alle freiwillig.


Ein gutes Instrument, man kann es auch Druckmittel nennen, war die finanzielle Beteilung der Eltern an zusätzlichen Deutschlektionen. Aufgrund des Bundegerichtsentscheides geht das jetzt nicht mehr – darum diese Standesinitiative – auch als Druckmittel, oder als Zeichen des Unverständnisses dieses Entscheides. Obwohl der Regierungsrat diesen Weg als wenig erfolgreich sieht, da die Interessen nicht so gewichtig seien.

Viele Eltern sind sich nicht bewusst, was das für ein Kind bedeutet, ohne Sprachkompetenz eingeschult zu werden. Wer spielt mit einem Kind, das nichts versteht? Klar, die Kinder lernen schnell, schauen einander ab, unterstützen einander auch nonverbal. Aber irgendwie bekommt man auch einen Stempel: Der versteht ja eh nichts. Die Aussenseiterrolle ist vorprogrammiert.

Eltern mit Migrationshintergrund müssen in die Pflicht genommen werden, ihre Kinder frühzeitig zu unterstützen. Wenn das nicht auf freiwilliger Basis geschieht, ist der Erfolg am grössten, wenn sie sich an den Kosten beteiligen müssen.
Die angebotenen DAZ-Lektionen sind eine gute Unterstützung zur Sprachförderung, das reicht aber nicht aus, damit ein Kind gut integriert den Kindergarten- und Schulalltag bewältigen kann. Da braucht es zusätzliche Förderung, das kostet etwas und darf nicht an die Schulen delegiert werden. Da braucht es auch ein Engagement der Eltern, gute Angebote zu nutzen und da habe ich – wie bereits erwähnt – grosse Vorbehalte, ob das Interesse überhaupt da ist. Oft haben die Eltern auch keine Zeit, da beide erwerberstätig sind und die Kinder von irgendeinem Verwandten fremdbetreut werden – wohlverstanden mit oft mangelnden Deutschkenntnissen.

Die EDU Fraktion ist dafür, dass die Motion für erheblich erklärt wird.